Surftipp: DIY-Tassenuntersetzer in Katzenform… (aka Anleitung für anatomisch korrektes Häkeln)

Wer als Katzenfanatikerliebhaber die grauen Herbsttage mit sinnstiftender Handarbeit verbringen möchte, anstatt wie ich den Schuhkarton mit wichtigen Unterlagen zu sortieren (oder sich selbst davon mit dem Verfassen kleiner Blogbeiträge erfolgreich abzulenken), für den habe ich die perfekte Inspiration…

Selbstgehäkelte Tassenuntersetzer in Katzenhintern-Form:

cat-butts
“Cat Butt Coasters” von Shanna Compton (Etsy)

Eine einfache Version gibt es auf dem Blog Simplyyarn, für 1,50$ gibt es bei Ravelry die Anleitung für eine etwas ausgefeiltere Variante. Und die Häkelfaulen können die Katzenhinterntassenuntersetzer bei Etsy kaufen – Link siehe Bild.

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Chippendale aufgemöbelt (aka aus alt mach bunt)

Hier hat ein Spießermöbel deluxe in Form einer Chippendale-Vitrine ein Update erhalten: Außen Rosa, innen Tapete! (Bevor jemand aufschreit: Keine Sorge. Es wurde keine echte Antiquität verschandelt…)

  Chippendale-Schrank-Rosa-klein-II
Schweinchenrosa Chippendale… ich steh dazu!

Zutaten:

  • 1x Möchtegern-Chippendale-Vitrine (Erbstück, kostenlos)
  • 2x Sprühdosen-Haftgrundierung (ca. 12,- Euro)
  • 2 Liter Lack, in diesem Falle OBI Classic Design Color Premium Lack hochglänzend, angerührt im Farbton Merlot 14 (ca. 30,- Euro)
  • Tapete (hier: Ikea Bråkig, 10 m für ca. 8,- Euro, eine Limited Edition von Anfang 2014)
  • Lackpinsel (Bereits im Hause, Verschleiß ca. 5,- Euro)
  • Drei Teelöffel Tapezierleim (Bereits im Hause, Verbrauch ca. 50 Cent)
  • Plane als Arbeitsuntergrund, da ich wetterbedingt drinnen gestrichen habe (bereits im Hause)

Sieht man mal von der investierten Zeit ab, hat mich das Ganze also pi mal Daumen 55,50 Euro gekostet.

Aber eines nach dem anderen…

Meine Großmutter hatte ein Faible für Chippendale. Nicht für die albernen Stripper mit Schleifen um den Hals, die auftauchen, wenn man eine Google-Bildersuche für den Begriff “Chippendale” startet (großer Fehler), sondern für Reproduktionen verschnörkelter Rokoko-Möbelstücke aus dunklem Holz.

In ihrem Erbe fand sich darum auch eine Vitrine von ca. 200 x 100 cm. Weder wertvoll noch edel, definitiv keine Antiquität, gefertigt ungefähr in den 70ern aus Pressspan mit einer dünnen, schlecht erhaltenen Schicht aus Möchtegern-Kirschholz-Furnier:


Chippendale-Schrank-alt
VORHER: Wie immer bin ich miserabel in der Dokumentation meiner Projekte. Das einzige Foto, das vom Originalzustand der Chippendale-Vitrine noch existiert, ist dieses verschwommene Umzugs-Handy-Foto – dafür mit Katze.

Das Ding sollte auf dem Sperrmüll landen, aber ich warf mich in den Weg. Möglicherweise aus Sentimentalität – zuerst jedenfalls. Später eher aus Trotz, denn jeder meinte, mir das Monstrum wieder ausreden zu müssen. Eigentlich zu Recht, denn die Vitrine hat schlichtweg ein besch***enes Volumen-Stauraum-Verhältnis. Also das absolute No-Go in einer kleinen Wohnung.

Mit einer etwas kindischen “Jetzt erst recht”-Mentalität ging ich an die Überlegung heran, wie die Vitrine in meine Einrichtung zu integrieren sei.

Chippendale-Schrank-Rosa
NACHHER: Die rosa Gefahr…

Zur Farbwahl

Zuerst dachte ich darüber nach, die Vitrine Türkis zu streichen. Allerdings bekommt das Zimmer, in dem sie untergekommen ist, so gut wie keine Sonne ab. Das Licht ist also immer etwas kühl, weshalb mir ein großer Schrank in einer kühlen Farbe auf Dauer doch zu frostig erschien. Folglich musste es ein wärmerer Ton sein, und da ich Gelb und Orange für keine Option halte, blieb nur Rosa.

Zur Innenseite, aka Tapetenwahl

Diese Rokoko-Schnörkel, und dann auch noch Rosa. Um dieses ganz schlimme Mädchen-Klischee etwas aufzubrechen, war mir von vorne herein klar, dass die Innenseite der Virtine mit einer Tapete ganz anderen Stils beklebt werden sollte. Hier einige der Kandidaten:

Tapeten-Alternativen
Quellen von links nach rechts: Ausschnitt des Wandbilds “Fairyland” , Tapete “Squares”, Tapete “Woods” (Wer sich wundert, dass die Tapeten alle von der Website http://www.meinewand.de stammen: ich wurde nicht gekauft, ich find’ die nur super)

Schlussendlich siegte der Pragmatismus – sprich: das Budget:

Brakig-Tapete-Ikea
Quelle: Ikea

Die Ikea-Limited-Edition-Tapete “Brakig” in Grau war mit ca. 8,- Euro für 10 Meter ein echtes Schnäppchen. Das japanische Asanoha-Muster (麻の葉, bedeutet “Hanfblatt”) ist grafisch schön streng und ein guter Kontrast zu den rosa Schnörkeln.

Chippendale-Schrank-Rosa-Innen
Innen: Ikea-Tapete mit Asanoha-Muster

Umsetzung

Das Lackieren von Möbeln mit Schnörkeln ist die Hölle! Das wurde mir spätestens nach einer Stunde klar. Insgesamt brauchte ich ca. drei Schichten Lack, um das dunkle Holz richtig gut abzudecken, und das beinhaltet noch nicht einmal die Sprühschicht Haftgrundierung. Insgesamt brauchte ich mindestens 15 Stunden, was mich ein Wochenende und jeweils mehrere Stunden diverser Feierabende kostete. Ein großes Projekt braucht eben seine Zeit.

Perfekt ist die Lackierung auf keinen Fall geworden, Laufnasen gibt es einige und auch die Pinselstriche lassen sich an vielen Stellen gut erkennen. Aber was soll’s – das ist Shabby Chic!

Das Tapezieren auf dem Holz war kein Problem, selbst für einen blutigen Tapezier-Anfänger wie mich. Die Blasen kann man mit einer glatten Kante (eine CD-Hülle z.B.) herausstreichen.

Als nervig hat sich das Wieder-Einsetzen der Vitrinenscheiben entpuppt. Die Scheiben waren vorher durch eine angetackerte Kordel fixiert, was aber blöd aussah. Stattdessen habe ich in ca. einem Zentimeter Abstand von der Scheiben ein paar Tacker-Nägel ins Holz gejagt, um sie vom Herausfallen abzuhalten. Leider hatten die Scheiben so sehr viel Spiel und klirrten nicht nur beim Öffnen und Schließen der Vitrine, sondern sogar beim Vorbeigehen. Gottseidank hatte ich noch Sugru im Haus (Was das ist? Hier entlang). Sugru ist super! Sollte man immer im Haus haben! Die kleinen Sugru-Klümpchen halten die Scheibe jetzt jedenfalls bombensicher am Platz.

Tja, da steht es jetzt, mein überarbeitetes Erbstück. Rosa, unpraktisch und heiß geliebt.