Über das Schenken (aka Grundsätzliches zu Weihnachten & Paketpappen-Upcycling)

Ueber-das-Schenken

Wann war der Punkt, an dem sich das Nahen von Weihnachten vom Auslöser kindlicher Ekstase zum Störfaktor entwickelt hat? Mit <10 Jahren hatte man es so einfach: Verschenken konnte man Schul-Basteleien aus Eicheln und Tannenzapfen oder selbstgemalte Bilder. Und das Geschenkt-Bekommen, also das schuldgefühlfreie Konsumieren unterm Weihnachtsbaum, war das Größte überhaupt. Und heute?

„Was wünschst du dir zu Weihnachten?“

Diese Frage fasst für mich den Weihnachtsfluch, der auf allen Erwachsenen lastet, perfekt zusammen. Keiner kann ihm entkommen. Der Fluch sogar ein doppelter: Man kommt meistens nicht drum herum, diese Frage zu stellen, und sie wird einem zwangsläufig gestellt.

Als Fragesteller ist man der Gefahr zweier Urteile ausgesetzt. Das des langweiligen Pragmatikers (Aber ein Geschenk soll doch eine Überraschung sein!) oder das der Einfallslosigkeit (Wie? Du kennst mich nicht gut genug, um mir etwas auszusuchen?). Und als Rezipient? Naja, ich zumindest gehe durch vier Phasen:

  • Phase 1: Ich komme mir vor wie ein Kind. Bis heute ist es mir ein Rätsel, wie man auf diese Frage erwachsen reagiert.
  • Phase 2: Mir fällt NICHTS ein.
  • Phase 3: Mir fällt ein paar Sekunden später sehr viel ein, aber die Sachen fallen entweder in die Kategorien Privat (Es besteht meinerseits gegenüber den meisten Menschen eine gewisse Hemmung, freimütig zu gestehen, mit über 30 Jahren die Buffy the Vampire Slayer Complete DVD Box besitzen zu wollen) oder Zu Teuer (Die Buffy the Vampire Slayer Complete DVD Box kostet nicht eben wenig, außerdem warte ich lieber auf die Blu Ray).
  • Phase 4: Nachdem ich mein Gegenüber einige Sekunden lang angestarrt habe wie ein von Scheinwerfern paralysiertes Reh, rette ich mich in ein bescheiden gehauchtes „Ach, ich weiß nicht…“ (während ich mich frage, wann Buffy endlich auf Blu Ray rauskommt. Ja, ich bin leicht abzulenken.)

Aber langsam komme ich dem Dilemma auf die Schliche:

ES GIBT NICHTS BESSERES ALS DIESE FRAGE!

Der Grund: Weihnachten ist zur Konsumschlacht geworden. Es gibt massenweise schlecht ausgesuchte, unpassende, peinliche, doppelte oder irrelevante Geschenke, nur damit irgendein in Geschenkpapier gewickelter Gegenstand unterm Baum liegen kann. Mal ehrlich: hat da noch einer Lust drauf? Nein! Also, weg mit der Fragehemmung! Nieder mit der blinden Konsum-Propaganda, die dazu führt, dass unerwünschte Geschenke ungenutzt auf dem Dachboden verstauben! Neuerdings werfe ich vor Weihnachten einen Blick auf meine Amazon-Wunschliste, auf der sich über das Jahr diverse Bücher angesammelt haben, die ich irgendwie haben will, aber mir gerade nicht selber kaufen möchte. Wenn ich mir ein spezielles Buch von Juri Rytcheu wünsche, muss ich unterm Weihnachtsbaum nicht so tun, als ob ich mich über Hera Lind freue.

Aber das bedeutet ja nicht, dass das Schenken ohne Herz vonstattengehen muss. Denn wenn es nicht mehr um das WAS geht, darf es umso mehr um das WIE gehen.

Beispiel: Ende November bekam ich von meiner Schwester eine sehr pragmatische Nachricht: „Falls Du noch was für Deinen Schwager suchst…“ mit einem angefügten Amazon-Link zu einem Salatbesteck. Prosaisch, nicht war? Trotzdem wurde es dieses Salatbesteck. Allerdings in dieser Verpackung:

Geschenkverpackung

Erfreulicher Seiteneffekt der Papp-Kalaschnikow: Ein Verwendungszweck für den gigantischen Papphaufen, der sich durch die Verpackungen der online bestellten Geschenke angesammelt hat (Ich verspreche hoch und heilig: Irgendwann fange ich an, für Fotos, die auf diesem Blog landen, nicht mehr das Smartphone zu benutzen).

Die AK-47-Geschenkverpackung war auf der Weihnachtsparty der Renner. Das prosaische Salatbesteck war eine erfreuliche Nebensache. Die Papp-Kalaschnikow steht jetzt bei meinem Schwager als Deko auf der Fensterbank. Insofern habe ich indirekt dieses Jahr doch mal wieder was Selbstgebasteltes zu Weihnachten verschenkt… wie damals, mit <10 Jahren.

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